Koh Chang damals, ein persönlicher Rückblick

Die zweitgrößte thailändische Insel Koh Chang, ganz im Südosten des Landes nahe der kambodschanischen Grenze, erlebt eine rapide und nicht aufzuhaltende touristische Entwicklung. Noch bis ca. Mitte der 80er Jahre war sie militärisches Sperrgebiet und es gab an der Küste verstreut lediglich einige kleine Fischerdörfer und ein paar Bauern mit ihren Gummibaum und Kokosnussplantagen.

Danach kamen die ersten Backpacker und ließen sich am White Sand Beach nieder. Übernachten konnten sie direkt am Strand in ein paar einfachen Bambushütten die mit Palmblättern verkleidet waren. Es gab auch bereits ein Strandrestaurant, und ein Stück rote Lehmpiste führte entlang des nördlichen Teils der Westküste vom Fährhafen zum Strand. Die Strecke über das Kap an der Nordspitze der Insel ist extrem steil und kurvig, aber damals ohne Asphaltierung war die Befahrung schlicht ein Abenteuer.

Mein erster Besuch auf Koh Chang war etwas später als es schon ein Hotel auf der Insel gab – das Plaloma Cliff Resort. Die Backpacker nannten es das „Altenheim“ weil nun auch die ersten „normalen“ Touristen kamen, und diese eben eher zu einer anderen Generation gehörten. Das Hotel hat sich gut behauptet, es wurde einige Male den neueren Erwartungen angepasst und der Schweizer Besitzer kann wohl die meisten Geschichten der Inselneuzeit erzählen.

Damals genoss ich die erhöhte Lage auf der Klippe und das Hotel selbst, vor allem die sanitären Einrichtungen von denen die Backpacker am Strand wohl nur träumen konnten. Jedenfalls roch es sehr unangenehm wenn man einen Weg von der roten Staubpiste durch die Kokospalmen zum White Sand Beach suchte. Bei Hochwasser war kaum noch Strand zu sehen, das Wasser reichte bis an die Hütten und den natürlichen Baumbestand. Bei Ebbe hingegen leuchtete er im weißen Kontrast zu den Grüntönen der Insel. Erkundigungen zu Land waren nur sehr begrenzt möglich, es war nur dichter Dschungel an steil aufragenden Bergen erkennbar.

Boot Tour Kohchang

Boot Tour Kohchang

Es gab einen Deutschen der Ausfahrten mit einem alten Holzboot anbot und das war eine gute Gelegenheit mehr von der Insel und den anderen Stränden zu sehen. Ungestörte Natur pur, Bildermotive die jedes Herz eines Fotografen hätten höher schlagen lassen.

Der Deutsche musste die vorgelagerten Korallenbänke und seichten Stellen wohl sehr gut kennen, jedenfalls übergab er einem von den Gästen das Steuerrad, zeigte ihm einen imaginären Punkt in der Ferne auf den er losschippern sollte, und begab sich dann sorglos ans andere Ende des Schiffes um seine Angel auszuwerfen. Wir waren nicht sehr weit von der Küste entfernt, trotzdem dauerte es nicht lange und er zog einen beachtlichen Barrakuda aus dem Wasser. Etwas wovon die Fischer auf Koh Chang heute wohl nur noch träumen können.

Der letzte unvergessliche Eindruck von Koh Chang der damaligen Zeit war die rote Staubpiste auf der wir zurück zum Fährhafen fuhren. Eingezwängt auf einem offenen Pritschenwagen ging es wieder durch enge Kurven und atemberaubenden Steigungen und Gefälle in nicht enden wollendem Wechsel. Am Ziel angekommen waren nicht nur unser Gepäck und Kleidung, aber auch die restliche Hautfläche und Haare von einer feinen roten Staubschicht bedeckt. Koh Chang hatte in jeder Hinsicht bleibende Spuren bei mir hinterlassen, aber es sollte Jahre dauern bis ich es wieder sah.